Rock n Roll Band

Berühmte Rock n Roll  Bands der 50er Jahre

Die Rock n Roll  Band “Bill Haley & the Comets” markieren mit der Aufnahme ihres Songs “Rock Around The Clock” am 12. April 1954 sozusagen den Urknall des Rock ‘n’ Roll und leiten damit eine Zeitenwende in der Geschichte der populären Musik, die bis heute nachwirkt.

Landesweit wächst die Zahl der Künstler, denen althergebrachter Country zu zahm erscheint. Innerhalb kürzester Zeit schießt eine Schar junger, frischer Musiker empor und verdrängt immer stärker die bislang etablierten Acts aus den Charts.

Der skandalumwitterte Jerry Lee Lewis spielt ein aggressives, so noch nie gehörtes Boogie-Piano zu anzüglichen Songtiteln wie “Great Balls Of Fire” .

Der Farbige Chuck Berry erfindet den Entengang, während er messerscharfe E-Gitarren-Riffs ins Publikum jagt – und klar sagt, was er eigentlich will: Süße Stunden mit “Sweet Little Sixteen”.

Mit dem exaltierten Little Richard (“Lucille”, “Tutti Frutti”) erfährt die noch junge Musikgattung einen weiteren Höhepunkt.

Und neben unzähligen Anderen taucht da noch ein smarter, junger Lastwagenfahrer aus Memphis, Tennessee auf: Elvis Aaron Presley.

 

Neben Elvis starten unter anderem Roy Orbison (“Pretty Woman”),

 

Johnny Cash (“I Walk The Line”),

 

Carl Perkins (“Blue Suede Shoes”),

 

Jerry Lee Lewis (“Whole Lotta Shakin Goin’ On”) und

 

Conway Twitty (“It’s Only Make Believe”) hier ihre einzigartigen Karrieren.

 

Herausragende Künstler dieser Variation sind z. B. The Del-Vikings (“Come Go With Me”), The Penguins (“Earth Angel”), Rosie & The Originals (“Angel Baby”) und Little Anthony & The Imperials (“Shimmy, Shimmy, Ko-Ko-Bop”). Überhaupt stehen erstmals schwarze Solo-Künstler landesweit hoch im Kurs und prägen eigene, unverwechselbare Spielarten des Rock und Rhythm And Blues, wie etwa

 

Fats Domino (“Blueberry Hill”) oder Bo Diddley (“Bo Diddley”).

 

Die ursprünglich dem Country verhafteten Everly Brothers (“Bird Dog”, “Bye Bye Love”) profitieren von der Integration des Rhythm And Blues in ihren Songs und entwickeln sich so zu Superstars.

 

Duane Eddy (“Rebel Rouser”) ist einer der ersten reinen Instrumentalmusiker – und fasziniert mit so noch nie gehörten, verzerrten E-Gitarren-Klängen, die ihm den Beinamen ‘Mr. Twang’ einbringen. Johnny & The Hurricanes fegen mit ihrem Instrumental “Red River Rock” durchs Land. Dick Dale( “Let’s Go Trippin”) und die Beach Boys (“Barbara Ann”) feilen später an der Sparte Surf-Sound.

 

Um 1960 herum schlägt das Imperium zurück: Selbst Plattenfirmen, die jahrelang den Rock’n’Roll aus inquisitorischem Denken heraus nicht beachteten, springen nun mit auf die Schiene – allerdings mit oftmals glatten und gestylten Künstlern, die speziell für das weibliche Teenager-Klientel ausgesucht werden. So beginnt die Blütezeit des Highschool-Rock’n’Roll – eine große Anzahl junger, gutaussehender Jungs singt zumeist Balladen, die nur vordergründig mit Rock-Accessoires verziert sind. Darunter finden sich Ricky Nelson (“Hello, Mary Lou”), Frankie Avalon (“Venus”), Fabian (“I’m A Tiger”) und Johnny Tillotson (“Poetry In Motion”). Der Highschool-Rock’n’Roll bringt trotz des kommerziellen Vordergrunds jedoch ebenfalls bemerkenswerte Künstler und Songs hervor. Zu den bekanntesten gehören Dion & The Belmonts mit unzähligen Hits (“Runaround Sue”, “Teenager In Love”, “Donna, The Primadonna”), Neil Sedaka (“Breaking Up Is Hard To Do”, Happy Birthday Sweet Sixteen”, “Calendar Girl”), Bobby Vee (“Rubber Ball”, “Take Good Care Of My Baby”, “Run To Him”) und der spätere Weltstar Paul Anka (“Diana”, “Put Your Head On My Shoulders”, “Puppy Love”).

 

Inzwischen ist der Rock’n’Roll auch in Europa angekommen – Johnny Hallyday gibt den französischen Elvis, in Deutschland versuchen sich Peter Kraus und die Rockies mit kieksendem Kehlkopf-Überschlag am “Sugar Baby”. Ist Peter Kraus ein wirklich weißgewaschenes, harmlos-treudeutsches Rock-Abziehbild, gibt Ted Herold (“Moonlight”, “Ich bin ein Mann”) zumindest in Optik und Image den rebellisch-authentischeren Gegenpart. Das deutsche Establishment steht den neuen Sounds ähnlich skeptisch gegenüber wie im Ursprungsland. Das verächtliche Wort von “Negermusik” macht die Runde – die Umstände auf Bill Haleys erster Deutschland-Tournee bestärkt die Erwachsenen in ihrem negativen Urteil: Im West-Berliner Sportpalast gehen Fensterscheiben und Mobiliar zu Bruch. Die Presse berichtet von rund 35 Verletzten und einem Sachschaden von gut 50.000 DM. Damit ist klar: Rock’n’Roll verhetzt die Jugendlichen und ist ein Anschlag auf Geschmack und gute Sitten.

Qualitativ erheblich besser stellt sich die Situation in England dar: Schon 1958 landet Cliff Richard mit “Move It” einen Riesenhit. Er und seine Begleitband “The Shadows” dominieren zu Beginn der sechziger Jahre auch die außerbritischen Hitparaden. Doch trotz seines weltweiten Erfolgs beginnt der Todeskampf des Rock’n’Roll schleichend bereits am Ende der fünfziger Jahre. Little Richard wendet sich dem Christentum zu und wird Prediger. Elvis geht zur Army und verliert sein einstiges Feuer. Hoffnungsvolle Nachwuchsstars kommen zu früh ums Leben: 1959 sterben bei einem Flugzeugabsturz die hoch gehandelten Künstler Buddy Holly (“Peggy Sue”), The Big Bopper (“Chantilly Lace”) und Richie Valens (“Donna”). In England verunglückt der hochbegabte Eddie Cochran (“C’mon Everybody”, “Three Steps To Heaven”) bei einem Autounfall tödlich. Sein Beifahrer Gene Vincent (“Be-Bop-A-Lula”) überlebt, trägt jedoch lebenslange Folgeschäden davon. Durch die Heirat mit seiner 13-jährigen Cousine fällt Jerry Lee Lewis in Ungnade. Und in England entsteht um 1962 ein brandneuer Sound, der in Kürze ebenfalls die Welt erobern wird: Der Beat, und deren Top-Stars The Beatles läuten eine neue, bahnbrechende musikalische Ära ein.

Trotz danach oft jahrelanger Abwesenheit im Bewusstsein der allgemeinen Pop-Welt ist der klassische Rock’n’Roll allerdings nie gänzlich gestorben. Immer tauchen in der Folgezeit Bands und Künstler auf, die Harmonien und Beats der fünfziger und frühsechziger Jahre ins Gedächtnis zurückrufen: In den Siebzigern etwa die britische Formation Showaddywaddy, die Cover bekannter Fifties-Hits einspielt (“Under The Moon Of Love”). Rocky Sharpe & The Replays (“Rama Lama Ding Dong”) begeistern ebenfalls mit Coverversionen ihre Fans. Neben Neuinterpretationen bietet Shakin’ Stevens (“This Ole House”) eine Menge frischer Kompositionen (“Shirley”) und entwickelt sich in den Achtzigern zum Teen-Superstar. Der düstere Alan Vega hüllt mit seinem magischen “Jukebox Babe” klassische Rock’n’Roll-Elemente in einen aufregenden Wave-Sound. Die Stray Cats machen mit “Sexy & Seventeen” nachhaltig wieder auf den Rockabilly aufmerksam. In Deutschland pflegen die Ace Cats (“Heut’ Nacht”, “Linda”) gekonnt Teen-Beats, Cool Cat & The Tailfins (“Mr. Bassman”) veröffentlichen zwei Alben in stilechtem Mono-Sound. Eingebettet in die Siebziger und Achtziger liegt die Generation des Punk-Rock, dessen Protagonisten im Prinzip den eigentlichen Rock’n’Roll bis auf seine Grundstrukturen entfleischen (Tempo und simple Akkorde), und ihn mit einer anderen Kontext-Botschaft versehen (‘No Future’). Der ebenfalls gitarrenbetonte, zeitnah zum Punk entstehende Wave greift ebenfalls gern auf die Vergangenheit zurück, hier in Gestalt von Blondie (“Denise”) oder den Pretenders (“Kid”).

In den neunziger Jahren bis ins neue Jahrtausend wächst verstärkt die Zahl von jungen Bands, die die klassischen Strukturen des Rock’n’Roll (und auch Beat) aufgreifen und für neue Generationen entdecken, z. B. Oasis (“Wonderwall”), The Strokes (“Last Nite”) und Franz Ferdinand (“Tell Her Tonight”). Die Stars von damals werden wieder hoch gehandelt in der aktuellen Gunst von Musikern und Musikfreunden. Nein, wirklich gestorben ist der Rock’n’Roll als solcher nie; seit seiner Geburt in den fünfziger Jahren hat er sich stets gewandelt, gehäutet und neu erfunden. Für eine neue Zeit, mit neuen Songs, neuen Sounds und einem immer neuen, begeisterten Publikum, das, solange “See You Later, Alligator”, “Hound Dog” und all die anderen Kracher stets frische Inspirationen für junge, neugierige Künstler bereit halten, auch die alten Helden nicht sterben lässt. Shake, Rattle And Roll Forever!

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